Blogwichtelbeitrag von Angela Gaida: eine persönliche Bloggeschichte

Text auf Berliner Wand: "Much later"

Wenn immer Advent wäre, dann gäbe es hier ständig etwas Neues zu lesen, denn in der Adventszeit wird in meinem Lieblingsnetzwerk geblogwichtelt. Dass dieser Artikel von Marketing-Coach Angela Gaida nun nicht mehr vor Weihnachten, sondern fast schon zum Fasching erscheint, ist allein meine Schuld. Aber dafür passt das Thema ganz hervorragend zu meinem Blog-Phlegma-Problem. Tausend Dank, Angela! Und hier ist er:

Meine kleine, persönliche Blog-Geschichte

„Aber denken Sie daran: Wenn Sie ein Blog anfangen, dann sollten Sie es auch regelmäßig mit Beiträgen bestücken. Und häufig. Ein-, zweimal die Woche, das wäre schon sinnvoll. Am besten Sie setzen sich am Anfang einmal hin, strukturieren Ihr Thema und entwickeln Ideen für einzelne Artikel. Die merken Sie dann in einem Kalender vor, setzen sozusagen einen Redaktionsplan auf, so dass Sie immer wissen, wann welches Thema dran ist. Den Plan müssen Sie einfach nur noch abarbeiten.“

So oder so ähnlich spreche ich mit den Leuten, die von mir wissen wollen, ob und wie sie ein Blog zur eigenen Vermarktung einsetzen könnten.

Ich hoffe inständig, dass diese Leute nicht bei mir im Blog nachschauen gehen, wie ich es denn selbst so halte mit dem Redaktionsplan. Mit den Veröffentlichungen, häufig und regelmäßig, am besten ein-, zweimal die Woche.

Denn ich bin eine Quartalsbloggerin. Und das ist noch geschmeichelt.

Dabei bin ich eigentlich eine alte Häsin und sollte es besser können. Mein erstes Blog startete ich 2004 bei twoday.net: Heiße Luft (http://blasebalg.twoday.net). Den Service und das Blog gibt es heute noch, und damit auch meine ersten Blogschreibwerke. Sehr sinnbefreit. Sehr zornig zuweilen. Aber nicht unspaßig. Es ging um Transferrubelverkehr, erdstrahlenfreie Websites, Gedichte mit W und Sammlungen dramatischen Gewölks. Aus Recherchegründen lese ich gerade selbst noch mal rein und muss kichern.

Ungefähr ein Jahr lang – nein, ziemlich genau ein Jahr lang bestand dieses Blog, dann eröffnete ich den Nachfolger: Heiße Luft reloaded (http://blaseblog.twoday.net/). Warum der Neuanfang? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht mehr. Es ging im gleichen Stil weiter. Pösie und Blogdingse, Tassencontent und 1.000 Gründe. Schon damals war ich ganz groß in Sachen Werbetext:  „Das welterste Doppeleffekt-Blog mit Koffein-Komplex und Bio-Pupsilin. Strafft Ihre Haut, verhindert Haarausfall und Dünnpfiff, hilft bei der Partnerwahl und ist ganz allgemein erste Sahne. Nie wieder Angst vor Fremdblogkosten, denn hier ist alles drin.“ Das Konzept war das gleiche: Ich bloggte, was mir durch den Kopf ging, was ich lustig fand, was ich mir gerade ausgedacht hatte.

Ich war die Großmeisterin der spontanen Tradition, ganz ohne Redaktionsplan und manchmal deutlich häufiger als ein-, zweimal die Woche.

Im Dezember 2006 zog ich um auf meinen eigenen Webspace: http://blaseblog.datensphaere.de. Zunächst unter dem Titel Heiße Luft Reloaded hoch zwei, nach diversen Designänderungen ist der Name inzwischen bei Heiße Luft Viernullkommafünf angelangt. Und hey, ich stelle gerade fest, dass es seit August 2010 brach liegt – mitten in der Geschichte vom geheimen Leben des Pilzes Heinz G. Ich weiß selbst nicht, wie sie ausgeht.

Kurz zuvor hatte ich auf meiner beruflichen Website mit dem Bloggen angefangen. So richtig ernsthaft. Mit Redaktionsplan, Sie wissen schon.

Im Rückblick denke ich: Das war die Zeit, in der das Bloggen aufgehört hat, mir Spaß zu machen. Denn die beruflichen Beiträge mussten ja seriös sein. Hilfreich. Fachwissen vermittelnd. Mein Eigenmarketing unterstützend. Und solange dieser hilfreiche Beitrag nicht geschrieben ist, kann ich doch meine Zeit nicht für Heiße Luft ver(sch)wenden.

Darum gab es seitdem kein dramatisches Gewölk mehr, keinen donnerstäglichen Hörbefehl, und die 1.000 Gründe sind auch bei Nr. 62 stehen geblieben.

Schade eigentlich.

Aber im Umkehrschluss lässt sich daraus durchaus etwas lernen. Dass es nämlich nicht nur darauf ankommt, ein Blog inhaltlich sauber zu konzipieren, Pläne aufzustellen, jeden Blogbeitrag fein säuberlich zu recherchieren und ein-, zweimal die Woche etwas zu posten. Sondern auch und vor allem darauf, dass man Spaß dabei hat. Vielleicht gehören in ein Business-Blog keine Sammlungen dramatischen Gewölks. Vielleicht ja aber doch. Ein Blog ist für mich keine Fachzeitschrift, sondern immer auch ein Ausdruck der Persönlichkeit des oder der Schreibenden. Und da schadet es gar nicht, auch einfach mal zu bloggen, was einem durch den Kopf geht. Spontan, ganz außerhalb des Redaktionsplans, einfach nur mit Spaß am Schreiben und der guten Idee.

In diesem Sinne: Viel Spaß beim Bloggen!