Über das Sachbuchschreiben: Blogwichtel-Artikel von Britta Freith

Im tollen Netzwerk für Frauen in Textberufen Texttreff, bei dem ich Mitglied bin, gibt es die schöne Tradition des Blogwichtelns. Im Dezember schreiben wir füreinander Blogbeiträge; dabei wird vorher ausgelost, wer für wen schreibt.

Fensterbank mit Weihnachtsmännern in BerlinIch hatte das große Glück, Britta Freith als Gastbloggerin zu erlosen, worüber ich mich sehr freue, weil Britta nicht nur gut schreibt, sondern auch interessante Dinge macht und kann. Sie konzipiert komplexe Websites mit multimedialen Inhalten, textet für Web und Print und schreibt außerdem Sachbücher (zum Beispiel über Schafe und Ziegen). Und genau darum geht es in ihrem Artikel:

So ist es mit dem Sachbuchschreiben

Ich schreibe. Damit bin ich den Leuten voraus, die auch immer schon mal etwas schreiben wollten, aber einfach nicht dazu kommen. Darauf kann ich aufbauen. Ich schreibe in erster Linie gegen Geld. Menschen bezahlen mich für das Schreiben von PR-Texten, Werbetexten, journalistischen Texten, Fachtexten – und seit einiger Zeit auch für das Füllen von Sachbüchern. Natürlich werden Sachbücher auch geschrieben. Eben: auch.

Ein gut strukturiertes Sachbuch, wie das über Nutzgärten, das ich gerade schreibe, hat ein klares Gerüst. Da setzt man sich nicht hin und lässt die Buchstaben aus den Fingern fließen! Nein, da weiß man genau, wie viele Zeichen die Seite 12, 36, 128 hat. Man ahnt, wo die Bilder hinkommen, die Grafik, das Diagramm. Diese Vorgaben haben ungemein viele Vorteile, weil man sich nicht so leicht verzettelt. Ich kann besser auf Zeichen schreiben, als mir wild Geschichten auszudenken. Wobei ich mir auch gerne etwas ausdenke, aber dann ist ja kein Anfang und kein Ende. Vor allen Dingen kein Anfang. Der letzte Satz ist ja der einfachste.

Ja, ich habe eine Sammlung an letzten Sätzen. Wenigstens in meinem Kopf. Aber Anfänge? Die flattern gleich immer so davon, nach dem zweiten Satz frage ich mich, wohin es nun gehen soll. Ein Anfang ohne die Geschichte dahinter ist lästig. Eine Geschichte mit einem festen Ende ist immerhin ein guter Anfang. Paradox, aber ist so.

Ich fülle also mit meinen Texten das Fachwerk meines Sachbuchhauses mit Ziegeln und Stroh. Doch obwohl ich weiß, was ich tun soll, ist es wie auf einer wirklichen Baustelle: Es kommt ständig etwas dazwischen! Ich schreibe über ein Bild, das ich dann im Material der Fotografin gar nicht finde. Oder es fängt an zu regnen. Das meine ich im übertragenen Sinne: Wenn es auf meiner Baustelle regnet, heißt das zum Beispiel, dass das Telefon andauernd klingelt und Kunden etwas von mir wollen. Dringende Projekte!

Ein typisches Problem beim Bücherschreiben: Diese Projekte sind immer wichtiger. Man kriegt als Buchautorin nicht so viel. Je hübscher man es machen will, je größer der Anspruch, desto armseliger der Lohn. Bei mir ist er fix, wenn ich länger brauche, bekomme ich pro Stunde weniger. Wenn ich aber schnell schreibe, wird ja das Buch schlechter, dann gibt es keine zweite Auflage, für die ich mehr Geld bekäme und mein Verdienst wird im Verhältnis nicht nur nicht mehr, sondern fast noch weniger. Also Zeit lassen. Das geht aber nicht, wegen des Verlagsprogramms, da steht ja mein Buch schon drin, und außerdem soll meine Lektorin, die mich drängelt, auch nicht meinetwegen krank werden vor Panik. Puh.

Fazit: Ich keule. Es ist kurz vor Weihnachten, ich sehe kein Tageslicht mehr. Geschenke? Hahaha. Mein Rücken tut im unteren Bereich weh. Ist es das, was man das Kreuz nennt? Oder ist das Kreuz weiter oben? Ich schlage sofort nach, erstmal im Internet. Scheint unten zu sein: http://www.apotheken-umschau.de/Ruecken Das ist übrigens typisch für meine Arbeit: Alles, was ich nicht sofort weiß, schaue ich nach. Wie heißt diese Erbse, ist es eine alte Sorte? Was, die Römer haben sie schon angebaut? Klickerdiklack: Römer, Gärten. Ach, da ist dieser Römische Hund, den ich auch aus Pompeji kenne. Was hatten die Römer eigentlich für Hunderassen? Googledigoogle… äh, Moment, ich muss doch mein Buch fertig kriegen. Also weiter. Es fehlen noch 60.000 Zeichen!

So, liebe Julia, ist es, wenn man ein Sachbuch schreibt. Du wolltest es ja wissen :))

***

Danke, liebe Britta! Das klingt anstrengend. Tageslicht gibt es momentan allerdings sowieso nicht zu sehen, zumindest nicht zwischen Berlin und Hamburg. Wer mehr von Britta lesen möchte, sollte ihr Blog besuchen oder in den nächsten Buchladen pilgern und das Schaf/Ziegen-Buch kaufen. Viel Spaß!

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