Die Tücke des Perfektionismus

Hauswand mit modernen Hieroglyphen

Dass Perfektionismus jede Kreativität im Keim ersticken kann, weiß inzwischen jeder. Das eigentliche Problem dabei ist, dass man sich selbst nie für perfektionistisch hält. Viele Leute behaupten zwar, perfektionistisch zu sein, aber in den Momenten, in denen sie es wirklich sind, finden sie sich vollkommen (haha) vernünftig. Sich und ihre Ansprüche.

Perfektionismus enttarnen

Man bemerkt diesen schleichenden Perfektionismus oft nicht. Dabei lässt er sich eigentlich ganz einfach enttarnen: Man muss nur kurz überlegen, ob es nicht auch etwas schludriger geht. Etwas weniger genau oder einfach ein bisschen schneller, mit weniger Nachdenken. Das gilt fürs Schreiben, fürs Texten und vermutlich auch für alle anderen Bereiche, in denen man etwas machen will, das vorher noch nicht da war. Fast überall kann man am Anfang ruhig ein bisschen pfuschen, um überhaupt erstmal etwas zu haben, mit dem man arbeiten kann. Die einzige Ausnahme, die mir dabei einfällt, ist Backen, da sollte man möglichst gleich die richtigen Zutaten im richtigen Mengenverhältnis und auf die richtige Weise zusammenmantschen, sonst wird es nichts.

Lob der Schlampigkeit

Der Trick ist also, sich immer wieder klar zu machen, dass es ruhig noch ein bisschen weniger perfekt oder auch einfach weniger gut gelungen sein kann. Alles, was jetzt nicht so ist, wie es soll, kann ich später noch mal verbessern – die bessere Formulierung finden, eine überzeugendere Struktur, genauere Beschreibungen, passendere Beispiele. So wird das sonst oft so gefürchtete Aufschieben zum Freund. „Jetzt” ist nicht immer der beste Moment, etwas zu machen. Oder anders: Lieber jetzt was so richtig Schlampiges machen und es morgen aufhübschen. Vielleicht stellt sich dabei auch raus, dass die schlampigere Version besser, weil direkter ist. Vielleicht auch nicht, das sieht man dann.

Leave A Comment!